Vom Geheimtipp zum Trendland – und wieder zurück?

Foto: Latizón TV – Uruguay auf der ITB

Lateinamerika – die Wirtschaft denkt dabei an Brasilien. Die Musik an Kuba. Der Tourismus an die Karibik. Die Kulinarik an Peru. Der Fußball in diesem Jahr auch. Die Biologie denkt an Costa Rica. Der investigative Journalismus an Panama. Die Friedensbotschafter an Kolumbien. Der Tango an Argentinien – doch halt. Da war doch noch etwas, irgendwas hat uns vor Kurzem doch ziemlich überrascht, uns gerne klischeehaft denkende Menschen. Da war irgendetwas mit Tango und…nein, nicht Argentinien, sondern Uruguay. Und Wein aus Uruguay. Richtig. Ein großer deutscher TV-Sender lies sein beliebtes Kreuzfahrtschiff zu Tangoklängen und edlem Wein nach Uruguay fahren. Und große deutsche Tageszeitungen priesen eben diese Produkte in einem langen Artikel. Uruguay hat sich einiges einfallen lassen, um eine Zeit lang aus dem Schatten des großen Nachbarn herauszutreten. Vor drei Jahren habe ich Uruguay jedem als Geheimtipp genannt. Ende 2017, Anfang 2018 war es dann plötzlich in aller Munde. Doch was ist jetzt daraus geworden, aus dem neuen Trendziel? In diesen Tagen blickt die Tourismus-Welt nach Berlin zur weltgrößten Tourismusmesse ITB. Jahrelang war Uruguay da lediglich versteckt mit einem kleinen Stand in der Nähe eines Hallendurchgangs anzutreffen. Ich bin gespannt, wie sich das Land in diesem Jahr präsentiert. Und die Frage ist – schafft es Uruguay, mit genau diesen beiden Produkten aus dem Schatten von Argentinien herauszutreten? Fakt ist, der Tango hat in Uruguay eine lange Tradition…der erste und vielleicht auch bekannteste Tango “La Cumparsita” stammt aus Uruguay und feierte im letzten Jahr seit 100-jähriges Jubiläum. Und Weine aus Uruguay genießen mittlerweile ebenfalls einen Premienruf. Doch bereits nach wenigen Monaten spricht darüber schon fast keiner mehr. Fragt man Entscheider aus der Wirtschaftsbranche, so wird meistens weiterhin Brasilien, oder eben Argentinien genannt, sicher jedoch nicht das zweitkleinste Land Südamerikas. Mit Abstrichen noch Kolumbien und im Food-Sektor hat sich in den letzten Jahren Peru einen Namen gemacht. Aber wo bleibt mein Geheimtipp von vor drei Jahren? Potential ist da. Uruguay hat vieles zu bieten, um aus seinem Nischendasein herauszutreten… besonders für Touristen. Die Frage ist, ob sich Reisende gerne ihre Klischees wegnehmen lassen. Oder ob man besser auf andere Pluspunkte der Republik Östlich des Uruguay – so der offizielle Name – setzen sollte. Produkte, die man noch nicht so kennt, aber dadurch vielleicht eher Uruguay als Attribute zuzuordnen gewillt ist. Gut, wer das Land der 1. Fußball-Weltmeisters (übrigens mit einem Sieg gegen Argentinien) nicht kennt, der antwortet auf die Frage, was ihm zu Uruguay einfällt, vielleicht doch gerne das, was man vor Kurzem darüber gehört hat. Schließlich kennt man Tango, und Wein kennt man auch. Die 20 km lange Rambla, die Promenade in Montevideo, oder das “Zuckerbäckerhaus” auf der Plaza Independencia, eines der ersten Hochhäuser Südamerikas, kennt man eher nicht. Doch wie lange bleibt diese Art von Gedächtnis, wann werden Klischee-Exportprodukte dann doch wieder den üblichen Ländern zugeordnet?

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