Eis statt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt

Strohsterne, Wachskerzen und Lateinamerika. Genau – Lateinamerika gehört mittlerweile zu unseren Weihnachts- und Christkindlmärkten dazu, wie der Zuckerguss auf den Lebkuchen. Genau deshalb findet man auch immer häufiger einen Stand, der zumindest einen Bezug zu Lateinamerika hat. Im alpenländischen Bad Reichenhall steht eine Lateinamerika-Hütte inmitten der bekannten Stände für Punsch und Christbaumschmuck. Im Wald hinter dem 10.000 Einwohner großen Kösching bei Eichstätt findet man friedlich malmende Alpakas und auf dem Zauberhaften Weihnachtsmarkt im Münchener Werksviertel Mitte trifft man auf einen Stand aus Guatemala.

© Latizón TV: Der Guatemala-Stand am „Zauberhaften Weihnachtsmarkt“ im Münchener Werksviertel

Es beginnt wieder zu schneien. Im Wald bei Kösching sucht ein Reh im Schnee nach Futter, nicht weit daneben bestaunen auf dem Weihnachtsmarkt Besucher die Alpakas Wastl und Gustl. Immer wieder werden die Besitzer, die insgesamt 17 Alpakas besitzen, nach den beiden hier gefragt. Sie verkaufen Kleidung aus der warmen Alpakawolle. Das Reh im Wald bemerkt kaum einer.

© Latizón TV: Alpakas auf dem Weihnachtsmarkt am Köschinger Waldhaus
© Latizón TV: Romantischer Weihnachtsmarkt am Köschinger Waldhaus

Der Christkindlmarkt in Bad Reichenhall liegt verschneit mitten in der Stadt. Umrahmt von mittlerweile weißen Berggipfeln ist es hier Idylle pur. Es gibt verschiedene Hütten. Eine Glühwein-Hütte, eine Punsch-Hütte, eine Kartoffel- und eine Würstl-Hütte. Soweit so gut. Dazu kommen eine Honig-Hütte, eine Essig- und Öl-Hütte und eine Suppen-Hütte. Auch das ist noch nichts allzu Ungewöhnliches. Doch mittendrin eine Französische Hütte und eben eine Lateinamerika-Hütte. Wie ein Exot sieht sie nicht aus. Und auch kaum jemand wundert sich darüber. So als würde sie schon immer dazu gehören. Tut sie eigentlich auf. Denn Roberto Pereda und seine Tochter sind schon seit vielen Jahren mit ihren Kinderartikeln auf den Märkten in ganz Bayern mit dabei.

© Latizón TV: beleuchteter Pegasus am Weihnachtsmarkt im Werksviertel

Das geflügelte Pferd Pegasus leuchtet hoch über den Eingangstoren zum Zauberhaften Weihnachtsmarkt im Münchener Werksviertel Mitte und versetzt mich gleich in eine besondere Stimmung. Es ist mittlerweile eiskalt, aber der schöne Schnee ist schon wieder dem Regen gewichen. Trotzdem ist der Weihnachtsmarkt im Werksviertel gut besucht. Ich mache mich auf die Suche nach dem Stand aus Guatemala. Und an diesem gibt es etwas, das ich allerdings auf einem Weihnachtsmarkt nicht erwarte:       Eis.

Doch bei genauerem Hinsehen, werde ich auch hier wieder überrascht. Das täuschend echt aussehende Eis ist eine Seife, und stammt aus den geschickten Händen der Guatemaltekin Claudia Küffner. Ob Muscheln, Blumen oder nun eben Eis, Claudia zaubert viele gutriechende Seifen. Bisher verkauft sie ihre Kreationen nur bei solchen Gelegenheiten, sie träumt aber davon, einmal einen eigenen Laden zu haben.          

© Latizón TV: Seifenkreation von Claudia Küffner

Überrascht bleiben viele Besucher stehen. Doch gekauft wird kaum etwas, so erzählt mir Karin Wölfel, die ebenfalls aus Guatemala stammt. Vielleicht verbinden viele einen deutschen Weihnachtsmarkt eben doch vor allem mit Glühwein und Schupfnudeln? Diese Stände sind jedenfalls auf jedem Weihnachtsmarkt gut besucht. Auf manchen Weihnachtsmärkten findet man sogar fast nur noch Getränke und Essen. Was – auch angesichts der Witterungsbedingungen – vielleicht verständlich ist. Denn die meist ehrenamtlichen Helfer stehen stundenlang oft so gut wie umsonst in der Kälte.

Fehlen Stände mit Handwerkskunst, fehlt den meisten Besuchern aber auch wieder etwas. Es gehört eben einfach dazu. Genau wie Lateinamerika. Am Guatemala-Stand auf dem Zauberhaften Weihnachtsmarkt im Münchener Werksviertel Mitte gibt es auch typisch guatemaltekische Süßigkeiten. Die Guatemalteken erzählen mir stolz, wie sie alle heißen: Colochos, bocadillos, pepitorias und bolitas. Sie enthalten Kürbiskerne oder Kokosflocken. Außerdem finde ich eine typisch guatemaltekische Marmelade aus Tamarinde, Mango, Chili und Guave. Einmal etwas anderes, als die übliche Erdbeer- oder Preiselbeermarmelade, oder?

Am Stand neben an verkauft das Kartoffelmuseum seine Kartoffel-Lebkuchen. Einige Stückchen zum Probieren auslegen, dürfen sie aufgrund der Bestimmungen leider nicht. Was schade ist, denn wer einmal die kleinen Kartoffel-Lebkuchen probiert hat, der wird sicher öfters an diesem Stand – oder im Museum – vorbeischauen. Der quirlige Weihnachtsmarkt war den Besuch aber auf jeden Fall wert.

© Latizón TV: Süßigkeiten aus Guatemala

Ein Gedanke zu „Eis statt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt

  1. Liebe Ursulina, vielen Dank, dass Du uns am Weihnachtsmarkt besucht hast. Du hast sehr gut und schön darüber geschrieben. Herzliche Grüße
    Karin

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