Kinostart „Chavela“

 

Portraits und Filmbiografien bekannter Musiker gibt es viele. Dabei wird das oft sehr wechselhafte Leben und künstlerische Wirken der sogenannten „Stars“ filmisch dargestellt und man lässt die zentralen Meilensteine im Leben und Schaffen Revue passieren. Der Dokumentarfilm „Chavela“, der aktuell in den deutschen Kinos läuft, macht da zunächst einmal keine Ausnahme. Er handelt von der speziell in Mexiko äußerst populären, hierzulande aber weitgehend unbekannten Sängerin Chavela Vargas. Auch ihr Leben hält einige Besonderheiten bereit, die die beiden Regisseurinnen Catherine Gund und Daresha Kyl cinematografisch aufgearbeitet haben.

 

Mit einer abwechslungsreichen Retrospektive auf die zahlreichen Aufs und Abs im Leben von Chavela Vargas erzählen die beiden Regisseurinnen in chronologischer Ordnung von der Jugendzeit, dem ersten künstlerischen Aufstieg als Sängerin, den Jahren des Absturzes und Rückzugs, sie berichten von dem schillernden Comeback in bereits hohem Alter und dem Tod in ihrer Wahlheimat Mexiko. Dabei lassen vertraute Personen, Freunde und musikalische Wegbegleiter(innen) das Bild einer Frau lebendig werden, die sowohl im Privaten als auch im öffentlichen Leben gegen bestehende Konventionen verstieß und nur allzu häufig aneckte. Chavela Vargas provozierte, weil sie anders war, nicht nur wegen ihrer Homosexualität. Sie begeisterte die Massen mit ihrer Musik, scheiterte aber privat. Sie suchte ihr Heil im exzessiven Konsum von Alkohol und zerstörte sich damit letztlich selbst.

 

Ein derart bewegtes und wechselhaftes Leben darzustellen, eine von derart vielen Disharmonien geprägte Person zu portraitieren, deren künstlerisches Schaffen gleichzeitig aber glanzvoll und berühmt war, ist sicher eine Mammutaufgabe. Den beiden Regisseurinnen Catherine Gund und Daresha Kyl gelingt es gut, die musikalische Atmosphäre und Stimmung rund um Chavela Vargas einzufangen, mit Originalaufnahmen von Live-Auftritten und Ausschnitten ihrer Musik. Ebenso gewähren sie mit viel privatem Foto- und Filmmaterial sowie zahllosen Interviewszenen tiefe Einblicke in das Privatleben der Sängerin. Insbesondere bei der Einbindung dieser Kommentare wäre eine gewisse Abwechslung bei der filmischen Aufbereitung und vorhergehende Selektion und Fokussierung auf einige wenige, zentrale Aussagen aber an mancher Stelle wünschenswert.

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