München – (K)ein Raum für Kunst?

„München – (K)ein Raum für Kunst?“ so nannten wir 2009 zum 851. Stadtgründungsfest eine Diskussionsrunde mit Münchener Künstlern, die ich am Isartor moderieren durfte. Die Kolleginnen und Kollegen, die das damals mit mir auf die Beine gestellt haben, werden sich noch an die lange Zeit der Vorbereitung und Recherche erinnern. Schon damals gab es also diese Polemik – und auch damals war sie sicher nicht neu. Und auch heute kochen die Emotionen bei diesem Thema sofort hoch, in sozialen Netzwerken beispielsweise schlägt einem für einen kleinen Kommentar zum Thema sofort heftiger Gegenwind entgegen, egal auf welcher „Seite“ man steht. Viele fühlen sich dann auch persönlich angegriffen. Das zeigt mir, dass die Thematik weiterhin wichtig ist. Das zeigt mir aber auch, dass bei diesen Diskussionen vielleicht in eine falsche Richtung gedacht wird. Und immer wieder wird „die Stadt“ dabei ins Spiel gebracht. Das ist in München nicht anders, als in anderen Städten. Deshalb möchte ich an dieser Stelle erst einmal ein paar Fragen aufwerfen: Was genau erwartet ihr? Was soll eure Kunst erreichen? Soll wirklich jeder mit jedem Projekt überall einen Raum finden, egal wie die Qualität dieser Kunst ist? Erwartet ihr, dass jeder öffentlichen Raum mit Kunst bespielt werden kann? Erwartet ihr finanzielle Zuschüsse? Erwartet ihr Unterstützung in Form von Bekanntmachung? Aber auch die Frage: Was ist in diesem Zusammenhang „die Stadt“? Ich bin wirklich gespannt auf eure Antworten. Vielleicht sehe ich einfach die wirklichen Probleme nicht? Ich selbst habe in meiner Studienzeit ebenfalls Kulturprojekte auf die Beine gestellt und hatte nie das Gefühl, nicht genügend Raum dafür zu bekommen. Oder durch Auflagen eingeschränkt zu werden. Bei uns hat damals alles wie erhofft geklappt. Aber vielleicht hatte ich damals ja auch einfach nur Glück? Oder ich habe die „richtigen“ Menschen getroffen bzw. vielleicht auch die „falschen“ nicht getroffen? Das alles sind wirklich ernstgemeinte Fragen, auf deren Beantwortung ich mich freue.

Und wenn sich jetzt einige fragen, warum ich das alles in meinem Blog schreibe, der eigentlich von Lateinamerika handelt, dann kommt hier die Antwort: weil ich inzwischen durch meine Arbeit bei Latizón TV immer wieder Menschen aus Lateinamerika treffe, die jetzt hier in Deutschland leben – besondes viele davon in München. Und darunter sind unzählige Künstler. Sie zeichnen, sie spielen Theater, sie entwerfen die unterschiedlichsten Gegenstände, sie machen…Kunst, sie machen…Kultur. Und bisher habe ich noch keinen getroffen, der in dieser Stadt damit Probleme hatte, oder sein Projekt nicht wie geplant verwirklichen konnte. Im Gegenteil, sie sind begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihnen hier bieten. Sergio aus Brasilien zum Beispiel ist seit Jahren mit seiner außergewöhnlichen Kunst in München unterwegs. Diego aus Argentinien kam für ein paar Monate nach München und seine Installation wurde von unzähligen Menschen begeistert unterstützt. Auf meine Frage, ob es für sie in München, einem anderen Land mit einer anderen Sprache, fernab der Heimat, denn schwieriger sei, kam bisher immer ein “nein”, oder ein “nein, aber natürlich muss man selbst aktiv werden”. Haben sie andere Erwartungen an „die Stadt“, als vielleicht wir Deutschen? Gehen sie lockerer oder einfach anders an die Aufgaben heran als wir? Und ist es wirklich “cooler”, wie es zum Beispiel gerade in Berlin im “The Haus” passiert, dass vor dessen Abriss und Neubau mit Luxuswohnungen, sich noch einmal die Künstler dort austoben können – was vermutlich dem Investor einen großen Imagegewinn bringt… All diese Gedanken gehen mir in diesen Tagen durch den Kopf. Klar, der Raum in München ist begrenzt, natürlich wird da lieber ein weiteres Wohn- oder Bürogebäude gebaut. Aber die Möglichkeiten scheinen ja doch da zu sein. Also, liebe Münchner Kreative, jetzt seid ihr dran. Warum gibt es seit Jahren, seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen Diskussionen und nichts scheint sich zu ändern? Und sagt mir jetzt bitte nicht, „die Stadt“ sei Schuld. Ich selbst habe mich auch schon ein paar Mal – in anderen Städten – dabei ertappt, dass ich gedacht habe “die Stadt” sei Schuld, wenn mal etwas nicht gleich so geklappt hat. Aber mittlerweile habe ich eines gelernt: „die Stadt“, das sind schließlich immer auch wir selbst…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.