Weihnachtsemotionen

„Ganz schlimm“, so erinnert sich eine Freundin aus Mexiko an ihr erstes Weihnachtsfest in Deutschland. Und immer noch kann sie unserem ruhigen und besinnlichen Fest wenig abgewinnen. Ruhig und besinnlich? Oder haben wir doch auch dieses Jahr unser Vorhaben, dem üblichen Weihnachtsstress zu entkommen, wieder nicht in die Tat umgesetzt?

Doch noch schnell am 23. ein paar Geschenke kaufen; in der langen Schlange bei der Post stehen, um ein Paket abzuholen; einkaufen, was man alles brauchen könnte – schließlich sind ja Feiertage – und was man dann doch nicht braucht; die Kerzen für den Christbaum fehlen noch – und gerade die roten sind schon überall ausverkauft; ein paar Freunde wollte man doch noch zum Weihnachtspunsch treffen; die Wohnung ist auch noch nicht geputzt; und die Eltern rufen an, wann man denn an Heiligabend vorbeikommt, während man noch vor einem übervollen Schreibtisch im Büro sitzt – schließlich möchte man ja schnell noch alles wegarbeiten, um ein paar ruhige Tage zu genießen…wie gesagt, ruhige Tage… „Mama, ich weiß es noch nicht, wann ich da sein kann!“ „Wie, du weißt es noch nicht. Übermorgen ist Weihnachten.“ Was, übermorgen schon? Enttäuscht beendet die Mama das Gespräch. Ganz toll, das auch noch. Und wie jedes Jahr denke ich mir, wenn doch noch wenigstens EIN Tag mehr wäre bis Weihnachten. (Natürlich weiß ich dabei, dass ich an diesem EINEN Tag mehr dann genauso wieder auf EINEN weiteren Tag hoffen würde.)Wer sagt da also bitte noch, dass unser Weihnachtsfest ruhiger ist, als die Feierlichkeiten in Mexiko oder sonstwo in Lateinamerika??

Vielleicht ist es also gar nicht die Ruhe oder die Besinnlichkeit, sondern eher die Gelassenheit? Die Gelassenheit, dass es irgendwie schon schön werden wird, auch ohne unzählige – passende – Geschenke, mit den dunkelroten statt den hellroten Kerzen am Baum, mit einem etwas weniger vollen Kühlschrank…aber dafür mit all den Menschen, die einem etwas bedeuten. Vielleicht sind wir dann alle fröhlicher, wenn wir uns nicht den Druck machen, dass alles „perfekt“ sein muss. Wenn wir uns einfach mal Zeit nehmen für das, was wir sonst leider nur allzu oft vernachlässigen. Einfach mal alles liegen und stehen lassen – keine Angst, es liegt im neuen Jahr auch noch da!!

Meine Freundin aus Mexiko hat sich – auch nach 12 Jahren – immer noch nicht an die (Vor-) Weihnachtszeit bei uns in Deutchland gewöhnt. Sie fliegt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in die Sonne. Nicht ganz bis Mexiko, aber immerhin weg vom „schnell noch das und jenes kaufen“, „schnell noch da und dorthin hetzen“ – und auch wenn ich mir Weihnachten am Strand überhaupt nicht vorstellen könnte, so beneide ich sie doch ein bisschen, dass sie sich auch nach 12 Jahren immer noch nicht hat anstecken lassen. Aber was soll´s, bald ist ja Sylvester und den guten Vorsatz, dass es im nächsten Jahr entspannter wird, kann ich mir ja wieder vornehmen, oder?

Ich wünsche Euch allen, dass ihr – wo und wie und mit wem auch immer – die Weihnachtstage so verbringt, wie es für euch am Schönsten ist.

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