Der „Día de los muertos“ – immer wieder einen Film wert?

© Latizón TV: Día de los muertos

Muss es schon wieder ein Animationsfilm über den mexikanischen „Día de los muertos“ sein?? Das war mein erster Gedanke, als die Einladung zur Pressekonferenz von „Coco“ in meinem Postfach aufblinkte. „Nein“, war mein 2. Gedanke, das kennt doch mittlerweile schon jeder. Und doch scheint dem nicht so zu sein. Selbst über das deutsche Pendant, die Feierlichkeiten zu Allerheiligen wissen viele hierzulange nur wenig bescheid. Klar, es ist ein Feiertag, zumindest in den südlichen Bundesländern – aber was sonst? Auch der volle Kinosaal beim Film „Coco“ bewies das Gegenteil. Also gut, jetzt eben die Disney-Vision. Zugegebenermaßen, die 1. Szenen haben mich nicht wirklich überzeugt. Aber dann hat mich der Film doch in seinen Bann gezogen: Die Mischung aus Animations- und fast schon menschlichen Zügen der Charaktere, die immer weider mitreißende Mariachimusik (auch wenn ich mich da wiederum frage, warum uns Deutschen vor allem diese Musik aus der Vielfalt der lateinamerikanischen Musik so beeindruckt), und die anrührende und zugleich spannende Geschichte – eine Spannung, die wiederum nicht neu ist, denn dass ein mexikanischer Junge nur bis zum Morgengrauen Zeit hat, um zwischen der Welt der Lebenden und der Toten hin- und herzureisen, und es dabei natürlich ein Happy End gibt, das sollte sich nun doch fast jeder Liebhaber von (lateinamerikanischen) Filmen denken können. Vielleicht ist es aber gerade dieses entspannende Spannende, das solche Filme so liebenswert macht. Der Disneyfilm steht da seinen Vorgängern in nichts nach. Es sind die kleinen Details, die „Coco“ zu etwas Einzigartigem machen, die gut gesetzten Ponten, die liebenswerten Besonderheiten der mexikanischen Region Oaxaca??, die die Macher des Films in langer Vorbereitung zur Recherche besuchten. Bezeichnend finde ich aber auch, dass Filme wie „Coco“ oder der thematisch ebenfalls am Día de los muertos in Mexiko angesiedelte Film „Manolo und das Buch des Lebens“ Animationsfilme sind und beide aus den USA stammen. das Interesse an der mexikanischen Kultur scheint also in den USA doch stark vorhanden zu sein. Wobei ich diesen kleinen Tick Authentizität, den vielleicht ein mexikanischer Regisseur wie bei „Manolo und das Buch des Lebens“ besser in den Film einbringen kann, bei „Coco“ etwas vermisse…

Kinostart „Chavela“

 

Portraits und Filmbiografien bekannter Musiker gibt es viele. Dabei wird das oft sehr wechselhafte Leben und künstlerische Wirken der sogenannten „Stars“ filmisch dargestellt und man lässt die zentralen Meilensteine im Leben und Schaffen Revue passieren. Der Dokumentarfilm „Chavela“, der aktuell in den deutschen Kinos läuft, macht da zunächst einmal keine Ausnahme. Er handelt von der speziell in Mexiko äußerst populären, hierzulande aber weitgehend unbekannten Sängerin Chavela Vargas. Auch ihr Leben hält einige Besonderheiten bereit, die die beiden Regisseurinnen Catherine Gund und Daresha Kyl cinematografisch aufgearbeitet haben.

 

Mit einer abwechslungsreichen Retrospektive auf die zahlreichen Aufs und Abs im Leben von Chavela Vargas erzählen die beiden Regisseurinnen in chronologischer Ordnung von der Jugendzeit, dem ersten künstlerischen Aufstieg als Sängerin, den Jahren des Absturzes und Rückzugs, sie berichten von dem schillernden Comeback in bereits hohem Alter und dem Tod in ihrer Wahlheimat Mexiko. Dabei lassen vertraute Personen, Freunde und musikalische Wegbegleiter(innen) das Bild einer Frau lebendig werden, die sowohl im Privaten als auch im öffentlichen Leben gegen bestehende Konventionen verstieß und nur allzu häufig aneckte. Chavela Vargas provozierte, weil sie anders war, nicht nur wegen ihrer Homosexualität. Sie begeisterte die Massen mit ihrer Musik, scheiterte aber privat. Sie suchte ihr Heil im exzessiven Konsum von Alkohol und zerstörte sich damit letztlich selbst.

 

Ein derart bewegtes und wechselhaftes Leben darzustellen, eine von derart vielen Disharmonien geprägte Person zu portraitieren, deren künstlerisches Schaffen gleichzeitig aber glanzvoll und berühmt war, ist sicher eine Mammutaufgabe. Den beiden Regisseurinnen Catherine Gund und Daresha Kyl gelingt es gut, die musikalische Atmosphäre und Stimmung rund um Chavela Vargas einzufangen, mit Originalaufnahmen von Live-Auftritten und Ausschnitten ihrer Musik. Ebenso gewähren sie mit viel privatem Foto- und Filmmaterial sowie zahllosen Interviewszenen tiefe Einblicke in das Privatleben der Sängerin. Insbesondere bei der Einbindung dieser Kommentare wäre eine gewisse Abwechslung bei der filmischen Aufbereitung und vorhergehende Selektion und Fokussierung auf einige wenige, zentrale Aussagen aber an mancher Stelle wünschenswert.

Trotz Krisen: Filme aus Lateinamerika

© LatizónBlog: Regisseure aus Lateinamerika auf dem Filmfest in München

Viele kleine und große Filmnationen in Lateinamerika kämpfen um mehr Unterstützung in ihrem Land. Bei manchen Ländern ist das auf dem Filmfest München schon lange ein immer wiederkehrendes Thema, manche Länder kamen erst in den letzten Jahren dazu. In Brasilien sorgt man sich seit einiger Zeit um die finanzielle Unterstützung, in Venezuela um die Möglichkeit, trotz Krise im Land weiterhin Filme zu drehen. Und die anderen kleineren Film-Nationen hoffen sowieso meist auf Co-Produktionen. Bezeichnend finde ich es daher, dass trotz allem auch genau diese Nationen jedes Jahr mit mehr als einem Film auf dem Münchener Filmfest vertreten sind. Und – was mir persönlich immer besonders positiv auffällt – jedes Jahr ist auch im Kinderprogramm ein Film aus Lateinamerika vertreten. Nicht selten zählten bisher für mich diese Filme zu den besten, die aus Lateinamerika auf dem Filmfest gezeigt wurden. 2017 war es der Kinderfilm „Tesoros“, auf den ich nun in meinem Blog etwas genauer eingehen möchte:

Die mexikanische Regisseurin Maria Navaro liebt Kinder, und sie liebt die Natur. Was also liegt näher, als einen Film zu machen, der beides in bezaubernder Art und Weise miteinander verbindet? In „Tesoros“ geht es um die Geschwister Dylan und Andrea. Weil ihre Eltern umziehen müssen, kommen die beiden Kinder in eine völlig neue Umgebung und in eine neue Schule. Dort tun sie sich anfangs sehr schwer, doch als sie die Schätze der Umgebung entdecken, gibt es für sie und ihre neuen Freunde nichts Schöneres mehr, als am Meer zu sein, Abenteurer-Expeditionen in das einzigartige Naturidyll zu unternehmen und auf die Jagd nach einem sagenumwobenen Schatz des Piraten Francis Drake zu gehen…So finden die Kinder langsam eine neue Heimat und gleichzeitig auch zu sich selbst und zu ihren Freunden.

Großartige Bilder vermitteln in „Tesoros“ einen bleibenden Eindruck von der Weite und Schönheit der einzigartigen Natur entlang der mexikanischen Pazifikküste. So wie die Kinder im Film, verfällt man auch als Zuschauer nach und nach dieser Faszination, die die Fantasie anregt und der Seele guttut. Und schon findet man sich selbst mittendrin im Abenteuer, auf der Suche nach den großen und kleinen Schätzen dieser Welt.

„Tesoros“ ist wieder einmal ein Kinderfilm, den man auch und vielleicht sogar vor allem als Erwachsener zu schätzen versteht. Stimmungsvolle Kameraaufnahmen, eine hervorragende schauspielerische Leistung der jungen Protagonisten (allen voran die Darsteller von Dylan und Andrea) sowie eine fast schon märchenhafte Geschichte, machen den Film zu einer wahren Harmoniespritze, bei der es schon sehr schwer fällt, nach dem Kino wieder in die alltägliche Realität – abseits vom Filmfest- zurückzukehren.

Pressefreiheit oder Plattform?

Ja, ich bin gerade ziemlich sauer. Weil es immer häufiger Einschränkungen bei der freien Berichterstattung gibt. Weil sowohl Journalisten, als auch Konsumenten für blöd verkauft werden. Weil wir Medien für viele anscheinend nicht mehr als das angesehen werden, was wir eigentlich sind und was unsere ursprüngliche Aufgabe ist.

Diesmal hat mein Block nichts mit Lateinamerika zu tun, oder nur am Rande. Einen simplen Bericht wollte ich machen, über einen Latino, der auf einem typisch deutschen Volksfest mit Riesenrad und gebrannten Mandeln einen kleinen Stand mit Handwerkskunst aus Lateinamerika anbietet. Es wäre sicherlich keine negative Berichterstattung geworden -warum auch? Aber wenn mir auf Anfrage beim Veranstalter gleich die Auflage mitgeteilt wird, dass ich nur positiv berichten darf, dann wird mir wieder bewusst, wie gerne doch die Pressefreiheit schon im Kleinen eingeschränkt wird. Und dass viele Medien lediglich als eine Verbreitungs-Plattform gesehen werden, wo man sich gut präsentieren kann.

Und ja, leider gibt es solche „Medien“ ( die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt ), die das so annehmen; die sich instrumentalisieren lassen. Was dann im großen dazu führt. dass die Glaubwürdigkeit von uns Journalisten, wie in den letzten Monaten geschehen, massiv leidet. Ich verstehe das. Ich verstehe aber nicht ganz, warum wir Medien, wir Journalisten das zulassen. Es mag in der heutigen Zeit wohl vor allem eine finanzielle Komponente eine Rolle spielen…

Ja, ich muss zugeben, ich hatte mich auf diesen Bericht gefreut, geben doch Riesenrad&Co. immer schöne Bilder ab. Aber nein, ich bin sauer. Sauer und vor allem enttäuscht. Ich habe den Bericht nicht gemacht. Der Latino möge mir verzeihen…

 

 

 

München – (K)ein Raum für Kunst?

„München – (K)ein Raum für Kunst?“ so nannten wir 2009 zum 851. Stadtgründungsfest eine Diskussionsrunde mit Münchener Künstlern, die ich am Isartor moderieren durfte. Die Kolleginnen und Kollegen, die das damals mit mir auf die Beine gestellt haben, werden sich noch an die lange Zeit der Vorbereitung und Recherche erinnern. Schon damals gab es also diese Polemik – und auch damals war sie sicher nicht neu. Und auch heute kochen die Emotionen bei diesem Thema sofort hoch, in sozialen Netzwerken beispielsweise schlägt einem für einen kleinen Kommentar zum Thema sofort heftiger Gegenwind entgegen, egal auf welcher „Seite“ man steht. Viele fühlen sich dann auch persönlich angegriffen. Das zeigt mir, dass die Thematik weiterhin wichtig ist. Das zeigt mir aber auch, dass bei diesen Diskussionen vielleicht in eine falsche Richtung gedacht wird. Und immer wieder wird „die Stadt“ dabei ins Spiel gebracht. Das ist in München nicht anders, als in anderen Städten. Deshalb möchte ich an dieser Stelle erst einmal ein paar Fragen aufwerfen: Was genau erwartet ihr? Was soll eure Kunst erreichen? Soll wirklich jeder mit jedem Projekt überall einen Raum finden, egal wie die Qualität dieser Kunst ist? Erwartet ihr, dass jeder öffentlichen Raum mit Kunst bespielt werden kann? Erwartet ihr finanzielle Zuschüsse? Erwartet ihr Unterstützung in Form von Bekanntmachung? Aber auch die Frage: Was ist in diesem Zusammenhang „die Stadt“? Ich bin wirklich gespannt auf eure Antworten. Vielleicht sehe ich einfach die wirklichen Probleme nicht? Ich selbst habe in meiner Studienzeit ebenfalls Kulturprojekte auf die Beine gestellt und hatte nie das Gefühl, nicht genügend Raum dafür zu bekommen. Oder durch Auflagen eingeschränkt zu werden. Bei uns hat damals alles wie erhofft geklappt. Aber vielleicht hatte ich damals ja auch einfach nur Glück? Oder ich habe die „richtigen“ Menschen getroffen bzw. vielleicht auch die „falschen“ nicht getroffen? Das alles sind wirklich ernstgemeinte Fragen, auf deren Beantwortung ich mich freue.

Und wenn sich jetzt einige fragen, warum ich das alles in meinem Blog schreibe, der eigentlich von Lateinamerika handelt, dann kommt hier die Antwort: weil ich inzwischen durch meine Arbeit bei Latizón TV immer wieder Menschen aus Lateinamerika treffe, die jetzt hier in Deutschland leben – besondes viele davon in München. Und darunter sind unzählige Künstler. Sie zeichnen, sie spielen Theater, sie entwerfen die unterschiedlichsten Gegenstände, sie machen…Kunst, sie machen…Kultur. Und bisher habe ich noch keinen getroffen, der in dieser Stadt damit Probleme hatte, oder sein Projekt nicht wie geplant verwirklichen konnte. Im Gegenteil, sie sind begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihnen hier bieten. Sergio aus Brasilien zum Beispiel ist seit Jahren mit seiner außergewöhnlichen Kunst in München unterwegs. Diego aus Argentinien kam für ein paar Monate nach München und seine Installation wurde von unzähligen Menschen begeistert unterstützt. Auf meine Frage, ob es für sie in München, einem anderen Land mit einer anderen Sprache, fernab der Heimat, denn schwieriger sei, kam bisher immer ein “nein”, oder ein “nein, aber natürlich muss man selbst aktiv werden”. Haben sie andere Erwartungen an „die Stadt“, als vielleicht wir Deutschen? Gehen sie lockerer oder einfach anders an die Aufgaben heran als wir? Und ist es wirklich “cooler”, wie es zum Beispiel gerade in Berlin im “The Haus” passiert, dass vor dessen Abriss und Neubau mit Luxuswohnungen, sich noch einmal die Künstler dort austoben können – was vermutlich dem Investor einen großen Imagegewinn bringt… All diese Gedanken gehen mir in diesen Tagen durch den Kopf. Klar, der Raum in München ist begrenzt, natürlich wird da lieber ein weiteres Wohn- oder Bürogebäude gebaut. Aber die Möglichkeiten scheinen ja doch da zu sein. Also, liebe Münchner Kreative, jetzt seid ihr dran. Warum gibt es seit Jahren, seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen Diskussionen und nichts scheint sich zu ändern? Und sagt mir jetzt bitte nicht, „die Stadt“ sei Schuld. Ich selbst habe mich auch schon ein paar Mal – in anderen Städten – dabei ertappt, dass ich gedacht habe “die Stadt” sei Schuld, wenn mal etwas nicht gleich so geklappt hat. Aber mittlerweile habe ich eines gelernt: „die Stadt“, das sind schließlich immer auch wir selbst…

Würstlbude? Imbiss-Stand? Foodtruck!

Copyright/Foto: Latizón TV, Mexikanisches Streetfood

Bangkok will Streetfood verbieten, so konnten wir im April 2017 in vielen Nachrichten lesen – in Deutschland hingegen hält der Boom weiterhin an. Ich muss zugeben, ich hätte das nicht gedacht. Denn 1. stehen die meisten Foodtrucks immer an unterschiedlichen Plätzen – und daher nicht immer in der Nähe, 2. ist das Essen oft nicht gerade billig und 3. muss man vor allem bei den sogenannten Round-ups, den Treffen mehrerer Foodtrucks, ewig lange in der Schlange stehen…und trotzdem bin ich immer wieder überrascht, wie viele Foodtruck-Fans zu den Round-ups strömen. Ich bin selber auch gerne dort. Früher gab es die Würstl-Bude am Eck, oder den Hähnchenwagen. Lange anstehen musste man da nie. Und man wusste auch, wo der nächste Wagen stand, denn meistens war das immer am gleichen Ort. Foodtrucks tun das selten. Aber die „Generation Facebook“ kauft sich ihr Essen trotzdem dort. Sie braucht keine Extra-Einladung, keine große Werbung – sie liest es auf dem Smartphone oder Iphone. Unterwegs. Offen. Gesundheitsbewusst. Salsa Verde, Don Burrito oder Mucho Gusto heißen zum Beispiel die Trucks. Und das bedeutet: Mexikanisch!! Burritos, Tortillas, Quesadillas. Und meistens sind es Deutsche oder Österreicher, die sich in die mexikanische Küche verliebt haben und sie den Foodtruck-Fans anbieten. Lateinamerika, wo Streetfood ja fast zur Tagesordnung gehört und eine lange Tradition hat, ist also auch in Deutschland unter den Foodtrucks immer mit dabei.

Was ist euer Lieblings-Essen bei Foodtrucks? Ich freu mich auf eure Meinungen und Kommentare

Brasilianerin ohne Grenzen

Foto: Latizón TV, mit Louisa Monteiro

Brasilianer gibt es überall in Europa, egal ob in München, Berlin, Genf oder Paris. Wie kaum eine andere Kultur sind die Brasilianer dabei über die Landesgrenzen hinaus verbunden, vernetzt und auch befreundet. „Brasilieros sem fronteiras“ – Brasilianer ohne Grenzen heißt deshalb auch die Plattform, die nicht nur die unterschiedlichsten Veranstaltungen von Brasilianern teilt und verbreitet, sondern auch und vor allem die Brasilianer selbst immer wieder zusammen bringt. Egal ob Künstler, Autor, Musiker oder Tänzer. Dann wird gemeinsam über Kunst gesprochen, sich ausgetauscht, die Kultur den Deutschen, Schweizern oder Franzosen näher gebracht, brasilianisches Fingerfood genossen und zu Trommeln, Capoeira-Klängen oder den neuesten Hits brasilianischer Musiker getanzt.

Doch ganz so einfach, wie es aussieht, ist das nicht. Denn hinter all diesen Zusammenkünften und Vernetzungen stehen immer Menschen, die mindestens ihre gesamte Freizeit dafür verwenden, damit ihre Landsleute, ihre Musik, ihre Kultur auch in Europa weiterlebt. Und damit nicht jeder einzelne Künstler oder jeder einzelne Musiker, jeder einzelne Verein alleine da steht, dafür setzen sich Menschen wie zum Beispiel die Gründerin der o.g. Plattform Brasileiros sem fronteiras, Louisa Monteiro, ein.

Folgt man Louisa auf den sozialen Netzwerken, so findet man sie heute in Nürnberg, morgen in Genf und übermorgen schon wieder in Paris. Louisa besucht Ausstellungen, interviewt Regisseure, spricht mit Kuratoren – und vereint sie und ihre Arbeit dann auf ihrer Plattform. Louisa braucht dazu keine große Ausrüstung, sie hat eine kleine Kamera und ein kleines Stativ im Gepäck. Das genügt. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – wird sie von allen Künstlern und Veranstaltern geschätzt. Auch bekannte brasilianische Musiker und Regisseure treffen sich gerne mit ihr für ein Interview. Dann sieht man sie in Cannes abseits des roten Teppichs sitzen, zum Interview mit einem Schauspieler, während große Fernsehsender schon mal daneben warten. Man findet sie mit noch unbekannten Künstlern im Gespräch auf einer kleinen Ausstellung oder bei großen Festen mitten im Getümmel.

Brasileiros sem fronteiras – das ist fast auch schon ein bisschen ein Leitspruch für Louisa selbst. Für sie gibt es keine Grenzen, was die brasilianische Kultur angeht. Egal ob in Deutschland, in Frankreich oder sonstwo in Europa. Egal ob bei großen Filmfesten oder kleinen Vernissagen. Und ganz nebenbei, da ist Louisa auch noch selbst Künstlerin und bringt mit ihrern farbenfrohen Bildern ein Stück Brasilien nach Europa.

„Helfende Hände“

Foto: Latizón TV, Benefizveranstaltung für Peru_1

Die Spendenfreudigkeit von uns Deutschen lässt angeblich nach – das sagen zumindest einige Organisationen und Verbände, die regelmäßig für Menschen in der sogenannten 3. Welt auf Spendensuche gehen. Vielleicht liegt das daran, dass immer häufiger auf die eine oder andere Art ein Spendengesuch an uns herangetragen wird? Und dass manche davon, zugegebenermaßen, auch ein bisschen dreist und nervig sind. Aber wenn es wirklich drauf ankommt und vor allem, wenn eine schöne Idee dahinter steckt, dann kann uns keiner nachsagen, dass wir anderen Menschen in Not nicht helfen wollen. Wenn erklärt wird, worum es genau geht, wenn ein direkt oder indirekt Betroffener Engagement zeigt, auch selbst etwas an der eigenen Situation und an der Situation seiner Landsleute zu ändern, dann sind wir bestimmt auch gerne dabei. Zum Beispiel im aktuellen Fall von Peru – überraschende, unvorhersehbare Regenfälle und dadurch ausgelöste Schlammlawinen haben unzählige Menschen vor allem in Norden von Peru obdachlos gemacht, andere haben zwar ihre Häuser nicht verloren, aber dafür ihre Arbeitsstelle.

Vor diesem Hintergrund habe ich Janette kennengelernt – eine Peruanerin, die seit einiger Zeit in Deutschland wohnt, ihre Familie aber lebt in Peru. Janette geht es gut, sie hat ein Dach über dem Kopf, sie kann sich, wann immer sie will etwas zu Essen oder zu Trinken kaufen – eine viel zu oft für selbstverständlich genommene Tatsache. Denn viele ihrer Landsleute in Peru können das nicht mehr. Janette bittet auch um Spenden, aber auf ihre eigene, sympathische Art: sie kocht für uns hier in Ingolstadt typische Gerichte aus ihrer Heimat. Geld bekommt sie dafür keines, aber das Geld für die verkauften Mittagessen geht direkt nach Peru. So können die Ingolstädter über den besten und vielleicht angenehmsten Weg das Land Peru kennen- und lieben lernen: über die Kulinarik. Ich glaube, dass es genau deshalb nicht wenige “helfende Hände” waren, die beim 1. Mittagessen den Weg in den Ingolstädter Postwagen gefunden haben. Trotz schönstem Sonntags-Sonnenwetter, ein Tag, den man vielleicht lieber irgendwo am See oder in der Natur verbringen würde.

Am 23. April gibt es für alle, die in der Nähe von Ingolstadt wohnen, nochmal die Möglichkeit, die typischen Speisen von Peru kennenzulernen und dabei die schöne Idee von Janette zu unterstützen. Ich finde, die Peruaner haben es verdient, dass auch am 23. April wieder viele Menschen im Ingolstädter Postwagen zusammen kommen.

Foto: Latizón TV, Benefizveranstaltung für Peru_2

Weihnachtsemotionen

„Ganz schlimm“, so erinnert sich eine Freundin aus Mexiko an ihr erstes Weihnachtsfest in Deutschland. Und immer noch kann sie unserem ruhigen und besinnlichen Fest wenig abgewinnen. Ruhig und besinnlich? Oder haben wir doch auch dieses Jahr unser Vorhaben, dem üblichen Weihnachtsstress zu entkommen, wieder nicht in die Tat umgesetzt?

Doch noch schnell am 23. ein paar Geschenke kaufen; in der langen Schlange bei der Post stehen, um ein Paket abzuholen; einkaufen, was man alles brauchen könnte – schließlich sind ja Feiertage – und was man dann doch nicht braucht; die Kerzen für den Christbaum fehlen noch – und gerade die roten sind schon überall ausverkauft; ein paar Freunde wollte man doch noch zum Weihnachtspunsch treffen; die Wohnung ist auch noch nicht geputzt; und die Eltern rufen an, wann man denn an Heiligabend vorbeikommt, während man noch vor einem übervollen Schreibtisch im Büro sitzt – schließlich möchte man ja schnell noch alles wegarbeiten, um ein paar ruhige Tage zu genießen…wie gesagt, ruhige Tage… „Mama, ich weiß es noch nicht, wann ich da sein kann!“ „Wie, du weißt es noch nicht. Übermorgen ist Weihnachten.“ Was, übermorgen schon? Enttäuscht beendet die Mama das Gespräch. Ganz toll, das auch noch. Und wie jedes Jahr denke ich mir, wenn doch noch wenigstens EIN Tag mehr wäre bis Weihnachten. (Natürlich weiß ich dabei, dass ich an diesem EINEN Tag mehr dann genauso wieder auf EINEN weiteren Tag hoffen würde.)Wer sagt da also bitte noch, dass unser Weihnachtsfest ruhiger ist, als die Feierlichkeiten in Mexiko oder sonstwo in Lateinamerika??

Vielleicht ist es also gar nicht die Ruhe oder die Besinnlichkeit, sondern eher die Gelassenheit? Die Gelassenheit, dass es irgendwie schon schön werden wird, auch ohne unzählige – passende – Geschenke, mit den dunkelroten statt den hellroten Kerzen am Baum, mit einem etwas weniger vollen Kühlschrank…aber dafür mit all den Menschen, die einem etwas bedeuten. Vielleicht sind wir dann alle fröhlicher, wenn wir uns nicht den Druck machen, dass alles „perfekt“ sein muss. Wenn wir uns einfach mal Zeit nehmen für das, was wir sonst leider nur allzu oft vernachlässigen. Einfach mal alles liegen und stehen lassen – keine Angst, es liegt im neuen Jahr auch noch da!!

Meine Freundin aus Mexiko hat sich – auch nach 12 Jahren – immer noch nicht an die (Vor-) Weihnachtszeit bei uns in Deutchland gewöhnt. Sie fliegt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in die Sonne. Nicht ganz bis Mexiko, aber immerhin weg vom „schnell noch das und jenes kaufen“, „schnell noch da und dorthin hetzen“ – und auch wenn ich mir Weihnachten am Strand überhaupt nicht vorstellen könnte, so beneide ich sie doch ein bisschen, dass sie sich auch nach 12 Jahren immer noch nicht hat anstecken lassen. Aber was soll´s, bald ist ja Sylvester und den guten Vorsatz, dass es im nächsten Jahr entspannter wird, kann ich mir ja wieder vornehmen, oder?

Ich wünsche Euch allen, dass ihr – wo und wie und mit wem auch immer – die Weihnachtstage so verbringt, wie es für euch am Schönsten ist.

Die POPs und der olympische Gedanke

© Latizón TV: WM im Fallschirmspringen 2016
© Latizón TV: WM im Fallschirmspringen 2016

Was bitte schön ist oder sind POPs?? Ok, das musste ich erst lernen, bevor wir zur Berichterstattung und Interviews aufgebrochen sind. Aber nachdem ich die „Parachutists over Phorty“ – die Fallschirmspringer über 40 – eben die POPs kennengelernt habe, bin ich von diesem Sport begeistert. Das heißt, eigentlich nicht direkt vom Fallschirmspringen, obwohl es natürlich schön anzusehen ist, wenn die bunten Schirme langsam über den blauen Himmel schweben. Aber was wirklich faszinierend ist, sind die Springer. Die über 40, über 50, über 60 und sogar über 70 und über 80. Mit wieviel Elan und Freude diese Menschen am Start sind und wieviel wichtiger als der Sieg bei ihnen der Spaß am Sport ist, das ist das Faszinierende bei den POPs. Gerade sind die Spiele in Brasilien zuende gegangen und einiges Unsportliche hat uns dabei empört. Doch bei den POPs ist der Olympische Gedanke greifbar. Dabei sein ist alles. Und zwar mittendrin unter Freunden weltweit, die man alle 2 Jahre trifft. Und diese 2 Jahre dazwischen, die bedeuten für viele der Teilnehmer sparen, sparen, sparen, damit sie irgendwo auf der Welt dabei sein können, wenn IHR Sport wieder eine WM feiert. 2014 in Südamerika, 2016 in Europa und 2018 in Australien. Da müssen viele sicher einiges sparen, denn Sponsoren haben nur die wenigsten. Ein Fest waren sie, die POPS 2016 in Deutschland. Und die Teilnehmer kamen von Neuseeland, Kanada oder Argentinien bis nach Eisenach in Thüringen. Da klatschten die Schweizer für die Franzosen, da feuerten die Neuseeländer die Deutschen an, da fieberte der Argentinier mit dem Springer aus den USA. Auch das ist Sport, oder eben genau das. Nicht der verbissende Wettkampf zählt, nicht das mit-allen-Mitteln-siegen-Wollen, sondern die Freude am Sport und das Miteinander – bei den „POPS“ könnte sich mancher sogenannte Sport-Star sicher einiges abschauen.