Pressefreiheit oder Plattform?

Ja, ich bin gerade ziemlich sauer. Weil es immer häufiger Einschränkungen bei der freien Berichterstattung gibt. Weil sowohl Journalisten, als auch Konsumenten für blöd verkauft werden. Weil wir Medien für viele anscheinend nicht mehr als das angesehen werden, was wir eigentlich sind und was unsere ursprüngliche Aufgabe ist.

Diesmal hat mein Block nichts mit Lateinamerika zu tun, oder nur am Rande. Einen simplen Bericht wollte ich machen, über einen Latino, der auf einem typisch deutschen Volksfest mit Riesenrad und gebrannten Mandeln einen kleinen Stand mit Handwerkskunst aus Lateinamerika anbietet. Es wäre sicherlich keine negative Berichterstattung geworden -warum auch? Aber wenn mir auf Anfrage beim Veranstalter gleich die Auflage mitgeteilt wird, dass ich nur positiv berichten darf, dann wird mir wieder bewusst, wie gerne doch die Pressefreiheit schon im Kleinen eingeschränkt wird. Und dass viele Medien lediglich als eine Verbreitungs-Plattform gesehen werden, wo man sich gut präsentieren kann.

Und ja, leider gibt es solche „Medien“ ( die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt ), die das so annehmen; die sich instrumentalisieren lassen. Was dann im großen dazu führt. dass die Glaubwürdigkeit von uns Journalisten, wie in den letzten Monaten geschehen, massiv leidet. Ich verstehe das. Ich verstehe aber nicht ganz, warum wir Medien, wir Journalisten das zulassen. Es mag in der heutigen Zeit wohl vor allem eine finanzielle Komponente eine Rolle spielen…

Ja, ich muss zugeben, ich hatte mich auf diesen Bericht gefreut, geben doch Riesenrad&Co. immer schöne Bilder ab. Aber nein, ich bin sauer. Sauer und vor allem enttäuscht. Ich habe den Bericht nicht gemacht. Der Latino möge mir verzeihen…

 

 

 

München – (K)ein Raum für Kunst?

„München – (K)ein Raum für Kunst?“ so nannten wir 2009 zum 851. Stadtgründungsfest eine Diskussionsrunde mit Münchener Künstlern, die ich am Isartor moderieren durfte. Die Kolleginnen und Kollegen, die das damals mit mir auf die Beine gestellt haben, werden sich noch an die lange Zeit der Vorbereitung und Recherche erinnern. Schon damals gab es also diese Polemik – und auch damals war sie sicher nicht neu. Und auch heute kochen die Emotionen bei diesem Thema sofort hoch, in sozialen Netzwerken beispielsweise schlägt einem für einen kleinen Kommentar zum Thema sofort heftiger Gegenwind entgegen, egal auf welcher „Seite“ man steht. Viele fühlen sich dann auch persönlich angegriffen. Das zeigt mir, dass die Thematik weiterhin wichtig ist. Das zeigt mir aber auch, dass bei diesen Diskussionen vielleicht in eine falsche Richtung gedacht wird. Und immer wieder wird „die Stadt“ dabei ins Spiel gebracht. Das ist in München nicht anders, als in anderen Städten. Deshalb möchte ich an dieser Stelle erst einmal ein paar Fragen aufwerfen: Was genau erwartet ihr? Was soll eure Kunst erreichen? Soll wirklich jeder mit jedem Projekt überall einen Raum finden, egal wie die Qualität dieser Kunst ist? Erwartet ihr, dass jeder öffentlichen Raum mit Kunst bespielt werden kann? Erwartet ihr finanzielle Zuschüsse? Erwartet ihr Unterstützung in Form von Bekanntmachung? Aber auch die Frage: Was ist in diesem Zusammenhang „die Stadt“? Ich bin wirklich gespannt auf eure Antworten. Vielleicht sehe ich einfach die wirklichen Probleme nicht? Ich selbst habe in meiner Studienzeit ebenfalls Kulturprojekte auf die Beine gestellt und hatte nie das Gefühl, nicht genügend Raum dafür zu bekommen. Oder durch Auflagen eingeschränkt zu werden. Bei uns hat damals alles wie erhofft geklappt. Aber vielleicht hatte ich damals ja auch einfach nur Glück? Oder ich habe die „richtigen“ Menschen getroffen bzw. vielleicht auch die „falschen“ nicht getroffen? Das alles sind wirklich ernstgemeinte Fragen, auf deren Beantwortung ich mich freue.

Und wenn sich jetzt einige fragen, warum ich das alles in meinem Blog schreibe, der eigentlich von Lateinamerika handelt, dann kommt hier die Antwort: weil ich inzwischen durch meine Arbeit bei Latizón TV immer wieder Menschen aus Lateinamerika treffe, die jetzt hier in Deutschland leben – besondes viele davon in München. Und darunter sind unzählige Künstler. Sie zeichnen, sie spielen Theater, sie entwerfen die unterschiedlichsten Gegenstände, sie machen…Kunst, sie machen…Kultur. Und bisher habe ich noch keinen getroffen, der in dieser Stadt damit Probleme hatte, oder sein Projekt nicht wie geplant verwirklichen konnte. Im Gegenteil, sie sind begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihnen hier bieten. Sergio aus Brasilien zum Beispiel ist seit Jahren mit seiner außergewöhnlichen Kunst in München unterwegs. Diego aus Argentinien kam für ein paar Monate nach München und seine Installation wurde von unzähligen Menschen begeistert unterstützt. Auf meine Frage, ob es für sie in München, einem anderen Land mit einer anderen Sprache, fernab der Heimat, denn schwieriger sei, kam bisher immer ein “nein”, oder ein “nein, aber natürlich muss man selbst aktiv werden”. Haben sie andere Erwartungen an „die Stadt“, als vielleicht wir Deutschen? Gehen sie lockerer oder einfach anders an die Aufgaben heran als wir? Und ist es wirklich “cooler”, wie es zum Beispiel gerade in Berlin im “The Haus” passiert, dass vor dessen Abriss und Neubau mit Luxuswohnungen, sich noch einmal die Künstler dort austoben können – was vermutlich dem Investor einen großen Imagegewinn bringt… All diese Gedanken gehen mir in diesen Tagen durch den Kopf. Klar, der Raum in München ist begrenzt, natürlich wird da lieber ein weiteres Wohn- oder Bürogebäude gebaut. Aber die Möglichkeiten scheinen ja doch da zu sein. Also, liebe Münchner Kreative, jetzt seid ihr dran. Warum gibt es seit Jahren, seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen Diskussionen und nichts scheint sich zu ändern? Und sagt mir jetzt bitte nicht, „die Stadt“ sei Schuld. Ich selbst habe mich auch schon ein paar Mal – in anderen Städten – dabei ertappt, dass ich gedacht habe “die Stadt” sei Schuld, wenn mal etwas nicht gleich so geklappt hat. Aber mittlerweile habe ich eines gelernt: „die Stadt“, das sind schließlich immer auch wir selbst…

Würstlbude? Imbiss-Stand? Foodtruck!

Copyright/Foto: Latizón TV, Mexikanisches Streetfood

Bangkok will Streetfood verbieten, so konnten wir im April 2017 in vielen Nachrichten lesen – in Deutschland hingegen hält der Boom weiterhin an. Ich muss zugeben, ich hätte das nicht gedacht. Denn 1. stehen die meisten Foodtrucks immer an unterschiedlichen Plätzen – und daher nicht immer in der Nähe, 2. ist das Essen oft nicht gerade billig und 3. muss man vor allem bei den sogenannten Round-ups, den Treffen mehrerer Foodtrucks, ewig lange in der Schlange stehen…und trotzdem bin ich immer wieder überrascht, wie viele Foodtruck-Fans zu den Round-ups strömen. Ich bin selber auch gerne dort. Früher gab es die Würstl-Bude am Eck, oder den Hähnchenwagen. Lange anstehen musste man da nie. Und man wusste auch, wo der nächste Wagen stand, denn meistens war das immer am gleichen Ort. Foodtrucks tun das selten. Aber die „Generation Facebook“ kauft sich ihr Essen trotzdem dort. Sie braucht keine Extra-Einladung, keine große Werbung – sie liest es auf dem Smartphone oder Iphone. Unterwegs. Offen. Gesundheitsbewusst. Salsa Verde, Don Burrito oder Mucho Gusto heißen zum Beispiel die Trucks. Und das bedeutet: Mexikanisch!! Burritos, Tortillas, Quesadillas. Und meistens sind es Deutsche oder Österreicher, die sich in die mexikanische Küche verliebt haben und sie den Foodtruck-Fans anbieten. Lateinamerika, wo Streetfood ja fast zur Tagesordnung gehört und eine lange Tradition hat, ist also auch in Deutschland unter den Foodtrucks immer mit dabei.

Was ist euer Lieblings-Essen bei Foodtrucks? Ich freu mich auf eure Meinungen und Kommentare

Brasilianerin ohne Grenzen

Foto: Latizón TV, mit Louisa Monteiro

Brasilianer gibt es überall in Europa, egal ob in München, Berlin, Genf oder Paris. Wie kaum eine andere Kultur sind die Brasilianer dabei über die Landesgrenzen hinaus verbunden, vernetzt und auch befreundet. „Brasilieros sem fronteiras“ – Brasilianer ohne Grenzen heißt deshalb auch die Plattform, die nicht nur die unterschiedlichsten Veranstaltungen von Brasilianern teilt und verbreitet, sondern auch und vor allem die Brasilianer selbst immer wieder zusammen bringt. Egal ob Künstler, Autor, Musiker oder Tänzer. Dann wird gemeinsam über Kunst gesprochen, sich ausgetauscht, die Kultur den Deutschen, Schweizern oder Franzosen näher gebracht, brasilianisches Fingerfood genossen und zu Trommeln, Capoeira-Klängen oder den neuesten Hits brasilianischer Musiker getanzt.

Doch ganz so einfach, wie es aussieht, ist das nicht. Denn hinter all diesen Zusammenkünften und Vernetzungen stehen immer Menschen, die mindestens ihre gesamte Freizeit dafür verwenden, damit ihre Landsleute, ihre Musik, ihre Kultur auch in Europa weiterlebt. Und damit nicht jeder einzelne Künstler oder jeder einzelne Musiker, jeder einzelne Verein alleine da steht, dafür setzen sich Menschen wie zum Beispiel die Gründerin der o.g. Plattform Brasileiros sem fronteiras, Louisa Monteiro, ein.

Folgt man Louisa auf den sozialen Netzwerken, so findet man sie heute in Nürnberg, morgen in Genf und übermorgen schon wieder in Paris. Louisa besucht Ausstellungen, interviewt Regisseure, spricht mit Kuratoren – und vereint sie und ihre Arbeit dann auf ihrer Plattform. Louisa braucht dazu keine große Ausrüstung, sie hat eine kleine Kamera und ein kleines Stativ im Gepäck. Das genügt. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – wird sie von allen Künstlern und Veranstaltern geschätzt. Auch bekannte brasilianische Musiker und Regisseure treffen sich gerne mit ihr für ein Interview. Dann sieht man sie in Cannes abseits des roten Teppichs sitzen, zum Interview mit einem Schauspieler, während große Fernsehsender schon mal daneben warten. Man findet sie mit noch unbekannten Künstlern im Gespräch auf einer kleinen Ausstellung oder bei großen Festen mitten im Getümmel.

Brasileiros sem fronteiras – das ist fast auch schon ein bisschen ein Leitspruch für Louisa selbst. Für sie gibt es keine Grenzen, was die brasilianische Kultur angeht. Egal ob in Deutschland, in Frankreich oder sonstwo in Europa. Egal ob bei großen Filmfesten oder kleinen Vernissagen. Und ganz nebenbei, da ist Louisa auch noch selbst Künstlerin und bringt mit ihrern farbenfrohen Bildern ein Stück Brasilien nach Europa.

„Helfende Hände“

Foto: Latizón TV, Benefizveranstaltung für Peru_1

Die Spendenfreudigkeit von uns Deutschen lässt angeblich nach – das sagen zumindest einige Organisationen und Verbände, die regelmäßig für Menschen in der sogenannten 3. Welt auf Spendensuche gehen. Vielleicht liegt das daran, dass immer häufiger auf die eine oder andere Art ein Spendengesuch an uns herangetragen wird? Und dass manche davon, zugegebenermaßen, auch ein bisschen dreist und nervig sind. Aber wenn es wirklich drauf ankommt und vor allem, wenn eine schöne Idee dahinter steckt, dann kann uns keiner nachsagen, dass wir anderen Menschen in Not nicht helfen wollen. Wenn erklärt wird, worum es genau geht, wenn ein direkt oder indirekt Betroffener Engagement zeigt, auch selbst etwas an der eigenen Situation und an der Situation seiner Landsleute zu ändern, dann sind wir bestimmt auch gerne dabei. Zum Beispiel im aktuellen Fall von Peru – überraschende, unvorhersehbare Regenfälle und dadurch ausgelöste Schlammlawinen haben unzählige Menschen vor allem in Norden von Peru obdachlos gemacht, andere haben zwar ihre Häuser nicht verloren, aber dafür ihre Arbeitsstelle.

Vor diesem Hintergrund habe ich Janette kennengelernt – eine Peruanerin, die seit einiger Zeit in Deutschland wohnt, ihre Familie aber lebt in Peru. Janette geht es gut, sie hat ein Dach über dem Kopf, sie kann sich, wann immer sie will etwas zu Essen oder zu Trinken kaufen – eine viel zu oft für selbstverständlich genommene Tatsache. Denn viele ihrer Landsleute in Peru können das nicht mehr. Janette bittet auch um Spenden, aber auf ihre eigene, sympathische Art: sie kocht für uns hier in Ingolstadt typische Gerichte aus ihrer Heimat. Geld bekommt sie dafür keines, aber das Geld für die verkauften Mittagessen geht direkt nach Peru. So können die Ingolstädter über den besten und vielleicht angenehmsten Weg das Land Peru kennen- und lieben lernen: über die Kulinarik. Ich glaube, dass es genau deshalb nicht wenige “helfende Hände” waren, die beim 1. Mittagessen den Weg in den Ingolstädter Postwagen gefunden haben. Trotz schönstem Sonntags-Sonnenwetter, ein Tag, den man vielleicht lieber irgendwo am See oder in der Natur verbringen würde.

Am 23. April gibt es für alle, die in der Nähe von Ingolstadt wohnen, nochmal die Möglichkeit, die typischen Speisen von Peru kennenzulernen und dabei die schöne Idee von Janette zu unterstützen. Ich finde, die Peruaner haben es verdient, dass auch am 23. April wieder viele Menschen im Ingolstädter Postwagen zusammen kommen.

Foto: Latizón TV, Benefizveranstaltung für Peru_2

Weihnachtsemotionen

„Ganz schlimm“, so erinnert sich eine Freundin aus Mexiko an ihr erstes Weihnachtsfest in Deutschland. Und immer noch kann sie unserem ruhigen und besinnlichen Fest wenig abgewinnen. Ruhig und besinnlich? Oder haben wir doch auch dieses Jahr unser Vorhaben, dem üblichen Weihnachtsstress zu entkommen, wieder nicht in die Tat umgesetzt?

Doch noch schnell am 23. ein paar Geschenke kaufen; in der langen Schlange bei der Post stehen, um ein Paket abzuholen; einkaufen, was man alles brauchen könnte – schließlich sind ja Feiertage – und was man dann doch nicht braucht; die Kerzen für den Christbaum fehlen noch – und gerade die roten sind schon überall ausverkauft; ein paar Freunde wollte man doch noch zum Weihnachtspunsch treffen; die Wohnung ist auch noch nicht geputzt; und die Eltern rufen an, wann man denn an Heiligabend vorbeikommt, während man noch vor einem übervollen Schreibtisch im Büro sitzt – schließlich möchte man ja schnell noch alles wegarbeiten, um ein paar ruhige Tage zu genießen…wie gesagt, ruhige Tage… „Mama, ich weiß es noch nicht, wann ich da sein kann!“ „Wie, du weißt es noch nicht. Übermorgen ist Weihnachten.“ Was, übermorgen schon? Enttäuscht beendet die Mama das Gespräch. Ganz toll, das auch noch. Und wie jedes Jahr denke ich mir, wenn doch noch wenigstens EIN Tag mehr wäre bis Weihnachten. (Natürlich weiß ich dabei, dass ich an diesem EINEN Tag mehr dann genauso wieder auf EINEN weiteren Tag hoffen würde.)Wer sagt da also bitte noch, dass unser Weihnachtsfest ruhiger ist, als die Feierlichkeiten in Mexiko oder sonstwo in Lateinamerika??

Vielleicht ist es also gar nicht die Ruhe oder die Besinnlichkeit, sondern eher die Gelassenheit? Die Gelassenheit, dass es irgendwie schon schön werden wird, auch ohne unzählige – passende – Geschenke, mit den dunkelroten statt den hellroten Kerzen am Baum, mit einem etwas weniger vollen Kühlschrank…aber dafür mit all den Menschen, die einem etwas bedeuten. Vielleicht sind wir dann alle fröhlicher, wenn wir uns nicht den Druck machen, dass alles „perfekt“ sein muss. Wenn wir uns einfach mal Zeit nehmen für das, was wir sonst leider nur allzu oft vernachlässigen. Einfach mal alles liegen und stehen lassen – keine Angst, es liegt im neuen Jahr auch noch da!!

Meine Freundin aus Mexiko hat sich – auch nach 12 Jahren – immer noch nicht an die (Vor-) Weihnachtszeit bei uns in Deutchland gewöhnt. Sie fliegt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in die Sonne. Nicht ganz bis Mexiko, aber immerhin weg vom „schnell noch das und jenes kaufen“, „schnell noch da und dorthin hetzen“ – und auch wenn ich mir Weihnachten am Strand überhaupt nicht vorstellen könnte, so beneide ich sie doch ein bisschen, dass sie sich auch nach 12 Jahren immer noch nicht hat anstecken lassen. Aber was soll´s, bald ist ja Sylvester und den guten Vorsatz, dass es im nächsten Jahr entspannter wird, kann ich mir ja wieder vornehmen, oder?

Ich wünsche Euch allen, dass ihr – wo und wie und mit wem auch immer – die Weihnachtstage so verbringt, wie es für euch am Schönsten ist.

Die POPs und der olympische Gedanke

© Latizón TV: WM im Fallschirmspringen 2016
© Latizón TV: WM im Fallschirmspringen 2016

Was bitte schön ist oder sind POPs?? Ok, das musste ich erst lernen, bevor wir zur Berichterstattung und Interviews aufgebrochen sind. Aber nachdem ich die „Parachutists over Phorty“ – die Fallschirmspringer über 40 – eben die POPs kennengelernt habe, bin ich von diesem Sport begeistert. Das heißt, eigentlich nicht direkt vom Fallschirmspringen, obwohl es natürlich schön anzusehen ist, wenn die bunten Schirme langsam über den blauen Himmel schweben. Aber was wirklich faszinierend ist, sind die Springer. Die über 40, über 50, über 60 und sogar über 70 und über 80. Mit wieviel Elan und Freude diese Menschen am Start sind und wieviel wichtiger als der Sieg bei ihnen der Spaß am Sport ist, das ist das Faszinierende bei den POPs. Gerade sind die Spiele in Brasilien zuende gegangen und einiges Unsportliche hat uns dabei empört. Doch bei den POPs ist der Olympische Gedanke greifbar. Dabei sein ist alles. Und zwar mittendrin unter Freunden weltweit, die man alle 2 Jahre trifft. Und diese 2 Jahre dazwischen, die bedeuten für viele der Teilnehmer sparen, sparen, sparen, damit sie irgendwo auf der Welt dabei sein können, wenn IHR Sport wieder eine WM feiert. 2014 in Südamerika, 2016 in Europa und 2018 in Australien. Da müssen viele sicher einiges sparen, denn Sponsoren haben nur die wenigsten. Ein Fest waren sie, die POPS 2016 in Deutschland. Und die Teilnehmer kamen von Neuseeland, Kanada oder Argentinien bis nach Eisenach in Thüringen. Da klatschten die Schweizer für die Franzosen, da feuerten die Neuseeländer die Deutschen an, da fieberte der Argentinier mit dem Springer aus den USA. Auch das ist Sport, oder eben genau das. Nicht der verbissende Wettkampf zählt, nicht das mit-allen-Mitteln-siegen-Wollen, sondern die Freude am Sport und das Miteinander – bei den „POPS“ könnte sich mancher sogenannte Sport-Star sicher einiges abschauen.

Good director – bad director…

© Latizón TV: Filmfest in München 2016
© Latizón TV: Filmfest in München 2016

Filmfeste gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Und lateinamerikanische Filme sind dabei sehr beliebt. Sei es bei der Berlinale, dem Filmfest München oder den kleineren Filmfesten für ein spezielles lateinamerikanisches Land. Mit vorne dabei natürlich immer die großen Filmnationen Lateinamerikas, wie zum Beispiel Mexiko oder (noch) Brasilien. und daneben immer, als Schmankerl, ein oder zwei Filme aus den Ländern, die sonst international kaum in Erscheinung treten. In diesem Jahr allerdings hat so ein Film sicher vielen anderen aus Lateinamerika doch etwas die Schau gestohlen. „Caracas-Eine Liebe“ punktete beim Münchener Filmfest-Publikum nicht nur allein dadurch, dass er 2015 in Venedig den Goldenen Löwen erhalten hat. Aber das war sicher ein Zugpferd. „5 Minuten schau ich mir meinen Film bei den Vorführungen immer an“, sagte mir Regisseur Lorenzo Vigas auf dem Filmfest. Und er war sicherlich zufrieden mit dem was er gesehen hat – auch vor der Leinwand. Unter den Zuschauern solche, die regelmäßig Filme aus Lateinamerika ansehen, klar, die lassen sich so einen Film nicht entrgehen – aber eben auch viele, die zum ersten Mal filmisch mit diesem Kulturkreis in Kontakt kommen. Und das bei einem doch nicht ganz einfachen Film, der in vielen Facetten Homosexualität, Vaterbeziehung und Kindheitstrauma unter einen Hut bringt. Sympatisch-salopp trat Vigas bei der deutschen Premiere seines Films auf und freute sich dort schon auf den offiziellen deutschen Kinostart am 30. Juni 2016 – und das trotz der vielen Auszeichnungen, die „Caracas-Eine Liebe“ schon erhalten hat.

Auf der anderen Seite fand man auf dem Filmfest aber auch junge Filmemacher, die ihren ersten Spielfilm zeigten und sich trotzdem unfreundlich und überheblich präsentierten, obwohl ihr Film nicht wirklich Zuschauer in die Kinosäle lockte. Auch das gibt es leider und die Zuschauer der Panals bzw. Filmmakers Live-Veranstaltungen merkten das auch. Aber gut – der Film kann schließlich nichts für seinen Regisseur oder seine Regisseurin und sollte trotzdem unvoreingenommen angesehen werden. Zumindest habe ich das versucht…

Katastrophen als Marketingelement?

© Latizón TV: Kunsthandwerk aus Haiti
© Latizón TV: Kunsthandwerk aus Haiti

Ob Ausstellungen, Kulturprojekte oder Kunst – für diese Veranstaltungen finanzielle Unterstützung zu bekommen war schon immer nicht einfach. Man braucht eine zündende Idee, einen sogenannten Mehrwert für die Geldgeber oder eben einfach jemanden, den man kennt und der einen gerne unterstützt. Oder vielleicht ein Großevent, das die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht. Vor der WM in Brasilien 2014 zum Beispiel war es nicht schwierig, Kunstprojekte von brasilianischen Künstlern hier in Deutschland zu vermarkten. Wollte doch jeder auf den „brasilianischen Zug“ aufspringen und irgendwie auch mitfeiern. Und wer nicht dort sein konnte, der veranstaltete eben hier seine brasilianisch angehauchte Feier und tat so, als wäre er damit ein Teil der großen Veranstaltung im fernen Brasilien. Wenn eine Katastrophe passiert, wie zum Beispiel gerade das schwere Erdbeben in Ecuador, dann möchten plötzlich ebenfalls viele Kultur aus Ecuador unterstützen und mit einer ensprechenden Veranstaltung ihre wie auch immer geartete Solidarität zeigen. Ansonsten, so scheint es, ist es in diesen Monaten wieder schwieriger geworden, ein Kunst- oder Kulturprojekt mit Lateinamerikabezug einem Veranstalter finanziell schmackhaft zu machen. Galeristen erzählen mir, dass bei Anfragen sofort die Nachfrage kommt, ob Ihr Projekt nicht mit Flüchtlingen zu tun hat? Künstler erzählen mir, dass sie gefragt werden, ob sie oder sonst jemand aus ihrem Projekt gerade Asyl beantragen möchte. Anscheinend ist also das gerade der Zug, auf den alle „aufspringen“ möchten. Wer ein Projekt mit Asylsuchenden fördert, der kann sich das positiv auf die Fahnen schreiben oder bekommt zumindest Aufmerksamkeit. Lateinamerika hingegen scheint derzeit niemanden wirklich zu interessieren – bis eben mal wieder ein schlimmes Erdbeben viele Menschen obdachlos macht. Ich frage mich, ob das wirklich immer die richtigen „Marketinginstrumente“ sind. Brauchen wir, braucht die Kunst immer eine Katastrophe, eine schwierige Situation oder – im besseren Fall ein großes gesellschaftliches Event, um geschätzt zu werden und die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen? Kann die Kunst, kann die Kultur nicht alleine bestehen? Oder vielleicht sogar selbst der Zug sein, auf den alle aufspringen möchten? Das sind Fragen, die ich mir in diesen Wochen und Monaten immer wieder stelle. Und ich hoffe, dass  gerade die Kunst aus so kulturreichen Ländern wie den lateinamerikanischen es schafft, alleine zu bestehen.

Zwischen Wollen und Können: die Weltmesse im Tourismus, ITB 2016

© Latizón TV: Einen Berliner Bären aus Schokolade gab´s von Ecuador zum 50. Geburtstag der ITB Berlin
© Latizón TV: Einen Berliner Bären aus Schokolade gab´s von Ecuador zum 50. Geburtstag der ITB Berlin

Kaum zu glauben, aber es gibt sie alle: die Möchtegerns, die Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfer, die Von-oben-Herabschauer, die Von-unten-nach-oben-Ducker und selbst diejenigen, die sich eine gute Berichterstattung auf der Messe erkaufen wollen. Für wenig Geld versteht sich. Und daneben gibt es die wirklich Engagierten, die sich durch diesen Dschungel schlängeln in der Hoffnung auf ein besonderes Statement, auf einen schönen Bericht, auf die Anerkennung, die sie verdienen. Diejenigen, die sich nicht kaufen lassen, die nicht vornerum lächeln und hintenrum verächtlich grinsen. Diejenigen, die noch keine Angst haben müssen, ein ehrliches Interview geben zu können. Und die das auch dürfen, ohne ängstlich nach dem nächsthöheren Kollegen schielen zu müssen. Diejenigen, die nicht behaupten, sie wären schon weg, obwohl sie noch da sind. Und diejenigen, die ihr Gegenüber ohne falsche Vorurteile ernst nehmen. Kurz diejenigen, die sich nicht nur auf dem hohen Ross präsentieren wollen, sondern denen ehrlich etwas liegt an ihren Ländern, ihren Angeboten und an den Menschen, die voller Erwartung die Weltmesse des Tourismus besuchen. Doch 2016 musste man ganz besonders suchen, um solche interessanten Zeitgenossen zu finden.
Klar, keine Frage, der Besuch der ITB in Berlin ist immer etwas Besonderes. Man erfährt aus erster Hand das Neueste rund um aller Länder der Welt. Man trifft interessante Menschen und knüpft tolle Kontakte. Man taucht ein in ein Flair, aus dem man nur ungern wieder herausgeht. Man sieht kaum mehr auffindbare Traditionen direkt neben den absoluten Highlights aus Technik und Tourismus, man trifft Trendsetter genauso wie Menschen, die noch begeistert von alter Handwerkskunst erzählen können. Kurzum, alles was man sonst nur schwer findet oder zumindest nicht alles auf einem Raum. Man bereist in wenigen Tagen irgendwie also die ganze Welt und fühlt sich danach als Experte in indischer Kochkunst genauso wie in mexikanischer Stickerei. Es könnte also alles so schön sein, wenn man sich nicht zwischendurch immer wieder auf Menschen treffen würde, die all das anscheinend nicht zu schätzen wissen. Die meinen, sie sind sowieso schlauer und besser und länger im Geschäft als jeder andere. Doch wenn man lernt, diese in Zukunft gekonnt zu umgehen – was leider nicht ganz so einfach ist, weil es ohne solche Zeitgenossen ja anscheinend doch nicht geht – dann genießt man die schönsten Eindrücke, die sicher sonst kaum eine Reisemesse in dieser Form bieten kann. Denn wo sonst findet man einen Schokoladenhersteller aus Ecuador, der einem nicht nur begeistert von seiner Kunst erzählt, sondern auch noch alle Sorten probieren lässt? Wo sonst findet man Tänzer aus Paraguay, die es schaffen beim Tanzen auch noch schöne Tongefäße auf dem Kopf zu balancieren fast direkt neben fröhlichen Tänzern aus der Dominikanischen Republik? Wo sonst findet man die Natur Costa Ricas fast Tür an Tür mit Malerei aus Haiti? Wahrscheinlich nirgends. Deshalb eine Bitte an alle ITB-Besucher für die Zukunft. Lasst die Messe das bleiben, was sie seit 50 Jahren ist. Ein Treffen der unterschiedlichsten Kulturen, eine Möglichkeit, gute und wichtige Kontakte zu knüpfen und ein Trendsetter im Bereich Reisen und Tourismus. Und kein Schaulaufen nach dem Motto, „wer ist der Beste im ganzen Land“.
Doch 2016 war sowieso alles etwas anders. 50 Jahre feierte die ITB. Und das sicher zurecht. Es gab verdiente Geschenke, aus Ecuador zum Beispiel einen Berliner Bären aus Schokolade. Doch schon am ersten Tag war klar, jeder erwartete eine Antwort auf die Frage: wie ist die Stimmung in diesem Jahr? Ich selbst war noch keine 8 Minuten auf der Messe, da war mir diese Frage bereits 2x gestellt worden. „Wie empfindest du die Stimmung dieses Jahr?“ Denn auch wenn im Vorfeld der Messe versucht wurde, diese Frage kaum aufkommen zu lassen, sie schwebte wohl doch allgegenwärtig im Raum. Zumindest an den ersten Messetagen. Denn die aktuelle weltpolitische Lage macht es dem Tourismus nicht einfach. Verhaltener Optimismus wurde gezeigt, der vielen Tourismus-Experten aber nur verständnisloses Kopfschütteln entlockte. Wird die Reisebranche einen Einbruch erleiden oder reisen die Menschen weiterhin trotz Angst vor möglichen Gefahren, Gewalt oder Krankheiten? Zu Beginn der Messe hatte man das Gefühl, dass keiner so recht weder ein negatives noch ein positives Statement abgeben möchte. Wohl deshalb kam zunächst keine so rechte Messestimmung auf. Ruhiger und verhaltener, so schien die ITB 2016 im Vergleich zu den Vorjahren. Wollte man keine eindeutige Prognose abgeben oder konnte man es nicht? Ist es überhaupt möglich, eine sichere Prognose abzugeben, wenn man nicht weiß, wie es weltpolitisch weitergehen wird? Oder wird es nur die Zukunft zeigen können? Alles wirkte irgendwie verhaltener, so als sollte diese Thematik am besten doch ausgeklammert werden. Man wollte doch feiern, 50 Jahre ITB. Und nach und nach kam auch wieder etwas mehr die übliche Messestimmung auf, die wir so gerne mögen und wegen der wir uns alle trotz des bekannten Messestresses auf die nächsten 50 Jahre ITB freuen.